Seitenpfad:

Workers' Memorial Day 2026: Zentrale Gedenkveranstaltung in Würzburg

Gedenkveranstaltung zum Workers' Memorial Day 2026 in Würzburg
Teilnehmer*innen der Gedenkveranstaltung in Würzburg (Foto: Stephan Stanisch)
11.05.2026
Gesundheitsschutz

(Aktualisiert am 11. Mai: Gedenken in München) Seit 1984 erinnern Gewerkschaften am Workers' Memorial Day am 28. April an die Opfer von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Seit 2011 tun wir das auch in Deutschland – gemeinsam als IG BAU, mit der BG Bau, den Kirchengemeinden und vielen weiteren Partnerinnen und Partnern. Die diesjährige zentrale Gedenkveranstaltung in Würzburg sollte "nicht nur an die Opfer erinnern, sondern auch ein Zeichen setzen für mehr Achtsamkeit und gegenseitige Fürsorge am Arbeitsplatz", so unser stellvertretender Bundesvorsitzender Carsten Burckhardt.

Im Anschluss an ein Seminar zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz wurde in der Marienkapelle Würzburg bei einem ökumenischen Gottesdienst der Menschen gedacht, die bei der Arbeit verunfallt, erkrankt oder ums Leben gekommen sind.

Nach offiziellen Zahlen starben allein im letzten Jahr 74 Menschen durch einen Arbeitsunfall in der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen. Dazu Carsten Burckhardt in seiner Rede: "Kein Auftrag, keine Schicht, keine Baustelle, kein Erntefenster, kein Reinigungsobjekt, kein Termin und kein Profit sind mehr wert als ein Menschenleben. Und trotzdem passieren in unserem Land Tag für Tag zu viele schwere Unfälle, zu viele tödliche Unfälle. Dazu kommen die Dinge, die man nicht sofort sieht: Berufskrankheiten durch Stäube, durch Asbest, durch UV-Strahlung. Psychische Belastungen durch Dauerstress. Überforderung und die Angst, den Job zu verlieren. Die Angst, als schwach zu gelten, wenn man sagt: Ich kann nicht mehr. So stelle ich mir eine menschenwürdige Arbeitsgesellschaft nicht vor."

Der wichtigste Mensch ... bist Du!

Das Motto zum Workers' Memorial Day lautete in diesem Jahr: "Sag STOPP, wenn es gefährlich ist". Ein Appell an Beschäftigte, gefährliche Arbeitssituationen nicht hinzunehmen und Verantwortung zu übernehmen: für sich selbst und füreinander.

Als starkes Symbol dafür diente ein Spiegel mit der Aufschrift "Der wichtigste Mensch für gute Tarife und Arbeitssicherheit". "Der Spiegel fragt uns nicht nach schönen Reden. Er fragt uns: Schauen wir wirklich hin? Schauen wir auf die, die fehlen? Schauen wir auf die, die belastet sind? Schauen wir auf die Kollegin, den Kollegen, die oder der vielleicht schon lange am Limit ist? Oder schauen wir weg, weil der Bau fertig werden muss, weil der Auftrag drückt, weil wir gelernt haben zu funktionieren?", so Burckhardt weiter.

"Gefährlich ist bei der Arbeit eben nicht nur das, was sofort sichtbar ist: die gebrochene Leitersprosse, das wacklige Gerüst, die fehlende Absicherung. Gefährlich ist auch, was man nicht auf den ersten Blick erkennt: permanenter Druck, Selbstüberforderung, das ständige Höher, Weiter, Schneller, das Antreiben durch andere – und viel zu oft ein Umfeld, das lieber wegschaut und schweigt."

Eigenverantwortung und STOPP sagen: das erfordert mitunter viel Selbstbewusstsein sowie Kolleginnen und Kollegen, die einem den Rücken stärken."Beschäftigte können nur sicher und professionell arbeiten, wenn Zeit, Qualifikation, Ausrüstung und Rückendeckung stimmen", betont Carsten Burckhardt.

Flyer mit Spiegel
(Foto: BG BAU)

Nicht nur am Workers' Memorial Day kämpfen wir als IG BAU gemeinsam für gute Arbeit. Und damit dafür, dass eines Tages der Satz "Sag STOPP, wenn es gefährlich ist" keinen Mut mehr braucht – sondern selbstverständlich ist.

Teilnehmer*innen des Workers' Memorial Day
(Foto: Stephan Stanisch)
Carsten Burckhardt, Stellv. Bundesvorsitzender IG BAU
Carsten Burckhardt, Stellv. Bundesvorsitzender IG BAU (Foto: Stephan Stanisch)
Brennende Kerze
(Foto: Stephan Stanisch)
Kirche vor dem Gottesdienst
(Foto: Stephan Stanisch)
Michael Kirsch, Hauptgeschäftsführer BG BAU
Michael Kirsch, Hauptgeschäftsführer BG BAU (Foto: Stephan Stanisch)
Gedenken an die Verstorbenen
(Foto: Stephan Stanisch)
Ökumenischer Gottesdienst zum Workers' Memorial Day 2026 in Würzburg
(Foto: BG BAU)
Michael Kirsch beim ökumenischen Gottesdienst zum Workers' Memorial Day 2026 in Würzburg
(Foto: BG BAU)
Carsten Burckhardt beim ökumenischen Gottesdienst zum Workers' Memorial Day 2026 in Würzburg
(Foto: BG BAU)
Ökumenischer Gottesdienst zum Workers' Memorial Day 2026 in Würzburg
(Foto: BG BAU)

Gedenken in München

Auch in der Isar-Metropole wurde der Workers' Memorial Day begangen. Am Beginn des Gedenkens stand hier ein Monatsgespräch zum Arbeitsschutz unter Beteiligung von ARGE Hochtief und Implenia, an das sich ein gemeinsames Frühstück der etwa 60 Teilnehmer*innen anschloss.

Darauf folgte ein Sicherheitsrundgang über die Baustelle Marienhof. Bei der gemeinsamen Begehung der Baustelle erhielten die Teilnehmer*innen aus den Reihen von IG BAU, BG BAU und Seelsorge Einblick in den Baustellenbereich bis circa 40 m Tiefe. Begleitet wurden sie dabei durch eine Sicherheitsfachkraft von Hochtief.

Monatsgespräch in München
(Foto: IG BAU)
Monatsgespräch in München
(Foto: IG BAU)
Monatsgespräch in München
(Foto: IG BAU)
Begehung der Baustelle Marienhof
(Foto: IG BAU)

Um 12 Uhr schließlich versammelten sich ungefähr 20 Mitarbeitende von IG BAU, BG BAU und Seelsorge zu einer gemeinsamen Andacht am Münchener Hauptbahnhof.

Andacht zum WMD 2026 am Münchener Hauptbahnhof
(Foto: IG BAU)
Andacht zum WMD 2026 am Münchener Hauptbahnhof
(Foto: IG BAU)
Andacht zum WMD 2026 am Münchener Hauptbahnhof
(Foto: IG BAU)
Andacht zum WMD 2026 am Münchener Hauptbahnhof
(Foto: IG BAU)