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Workers‘ Memorial Day: Sag STOPP, wenn es gefährlich ist

Zaun mit Sicherheitshinweisen
(Foto: Aintschie / Pixabay)
16.04.2026
Gesundheitsschutz

Was ist eine Arbeitskraft wert? Und was ein Menschenleben? Noch immer passieren am Arbeitsplatz zu viele (vermeidbare) Unfälle. Oft mit tödlichen Ausgang.

Eine kurze Suche im Zeitungsarchivbestätigt: Arbeitsunfälle sind (leider) an der Tagesordnung. Immer noch und immer wieder.

Im Bereich der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) sind im vergangenen Jahr 55 915 meldepflichtige Unfälle passiert (vorläufige Zahlen), 85 mit Todesopfern. Im Vergleich zu 2024 sind sie zwar gesunken, aber immer noch zu viel.

2024 (aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor) gab es laut Angaben der zuständigen Berufsgenossenschaft in der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen 91 813 meldepflichtige Arbeitsunfälle. 78 Menschen sind durch einen Arbeitsunfall am Bau ums Leben gekommen.

Das sind "nur" die offiziellen Zahlen. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher sein.

Doch anstatt für noch mehr Sicherheit am Arbeitsplatz zu sorgen, plant die Bundesregierung unter dem Deckmäntelchen des Bürokratieabbaus beim Arbeits- und Gesundheitsschutz zu sparen: Sicherheitsbeauftragte sollen in kleinen und mittleren Betrieben reduziert werden.

Dabei sind sie besonders in diesen Betrieben die ersten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, wenn es um sichere Abläufe, Gefährdungsbeurteilungen oder den richtigen Umgang mit Maschinen, Werkzeugen und Gefahrstoffen geht. Sie sind Kolleginnen und Kollegen, die genauer hinschauen und Verantwortung für sich und andere übernehmen.

Gerade auf Baustellen, in Dachdecker-, Maurer-, Straßenbau- und Ausbau-Betrieben, im Gartenbau, in der Land- und Forstwirtschaft oder in Reinigungsobjekten sind sie unverzichtbar. Sie kennen die Abläufe, sprechen die Sprache der Kolleginnen und Kollegen und sorgen dafür, dass Sicherheit nicht nur auf dem Papier steht, sondern gelebt wird. "Eine Verringerung ihrer Zahl schwächt den Arbeitsschutz spürbar – gerade im Handwerk, wo viele Betriebe weniger als 50 Beschäftigte haben und die Unfallzahlen bereits heute höher sind als in größeren Betrieben", kritisiert der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Carsten Burckhardt das Vorhaben. "Weniger engagierte Sicherheitsbeauftragte bedeuten weniger Aufmerksamkeit für Gefahren und damit ein höheres Unfallrisiko."

Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten machen rund 96 Prozent der Betriebe in Deutschland aus. Mehr als 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten in diesen. Matthias Groß, Präventionsexperte bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, verdeutlichte in einem Interview im DGUV-Kompakt: In Kleinst- und Kleinbetrieben ist das Risiko eines schweren Arbeitsunfalls "etwa zweieinhalb bis dreimal so hoch wie in den größten Betrieben. Jeder einzelne Unfall oder eine Berufskrankheit kann in einem kleinen Betrieb große Folgen haben, wenn eine Fachkraft für Wochen oder Monate ausfällt. Ein guter Arbeitsschutz liegt also im eigenen Interesse der Unternehmensführung." Und natürlich auch im Interesse der betroffenen Beschäftigten.

Die Gefahren am Arbeitsplatz liegen nicht nur in den sichtbaren Ursachen, wie beispielsweise der gebrochenen Sprosse einer Leiter oder ein wackliges Gerüst. Stress, Arbeitsverdichtung, Angst vor Jobverlust, lange Wegezeiten – das und mehr sind Gründe fürein erhöhtes Unfallrisiko.

"Sag STOPP, wenn es gefährlich ist - Eigenverantwortung im Arbeits- und Gesundheitsschutz!"

... unter diesem Motto steht der Workers‘ Memorial Day am 28. April.

Zum Hintergrund: Am 28. April 1984 rief die kanadische Gewerkschaft für Angestellte im öffentlichen Dienst erstmals dazu auf, der im Arbeitsleben verstorbenen Kolleginnen und Kollegen zu gedenken. In mehreren Ländern ist der Workers‘ Memorial Day ein offizieller Gedenktag.

Auch in Deutschland rufen seit dem Jahr 2011 die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) ebenfalls dazu auf, der Kolleginnen und Kollegen zu gedenken, die bei der Arbeit verunfallt, erkrankt oder ums Leben gekommen sind. Dieses Jahr mit einer bundesweiten Schweigeminute um 12 Uhr und einem zentralen Gottesdienst in Würzburg.

Eigenverantwortung und STOPP sagen – das erfordert mitunter viel Selbstbewusstsein sowie Kolleginnen und Kollegen, die einen den Rücken stärken. "Beschäftigte können nur sicher und professionell arbeiten, wenn Zeit, Qualifikation, Ausrüstung und
Rückendeckung stimmen. Gute Arbeit heißt: Sicherheit ist selbstverständlich – und Wegschauen keine Option", betont Carsten Burckhardt. "Eigenverantwortung heißt, Probleme anzusprechen und den Betriebsrat einzubeziehen. Wo es noch keinen Betriebsrat gibt, sollte einer gewählt werden."

Arbeitsschutz beginnt immer auch bei jeder und jedem Einzelnen. Denn jeder Mensch hat nur ein Leben. Sag STOPP, wenn es gefährlich ist! 

Einladung zum Workers' Memorial Day in Würzburg

Die Einladung zum Workers' Memorial Day in Würzburg zum Herunterladen.