Aber wir lassen uns nicht einreden, dass das alternativlos ist. Wirtschaft darf niemals zum Selbstzweck werden. Sie muss den Menschen dienen – nicht umgekehrt. Werden Gewinne wichtiger als Menschen, Umwelt, Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt, läuft etwas grundlegend falsch. Wir wissen, dass eine andere Wirtschaft und eine andere Zukunft notwendig und möglich sind. Nicht, weil wir träumen. Sondern weil sie längst gelebt werden.
Weltweit zeigen Menschen, Unternehmen, Genossenschaften und Initiativen, dass Kooperation stärker sein kann als Konkurrenz, dass
Gemeinwohl wichtiger ist als Gewinnmaximierung und dass wirtschaftlicher Erfolg und Menschlichkeit kein Widerspruch sind. Genau das ist Zuversicht. Zuversicht ist keine naive Hoffnung. Sie ist die Kraft, den Kopf zu heben, wenn andere ihn senken. Sie ist die Überzeugung, dass Veränderung möglich ist – wenn Menschen zusammenstehen.
Dass viele Menschen diesen Wunsch nach Veränderung teilen, haben die IG BAU-Frauen eindrucksvoll erlebt. Mehr als 65 Anmeldungen zum bundesweiten Seminar "Zuversicht – eine unterschätzte Kraft" zeigen: Wir treffen den Nerv der Zeit. Menschen wollen nicht länger nur zuschauen. Sie wollen mitreden. Mitgestalten. Zukunft schaffen.
Die Gemeinwohlökonomie ist eines von vielen Beispielen dafür, dass eine andere Wirtschaftsweise längst möglichist. Sie stellt Menschenwürde, Solidarität und ökologische Verantwortung über den reinen Profit. Sie zeigt: Eine gerechtere Welt ist keine Utopie. Sie beginnt dort, wo Menschen den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Verantwortung übernehmen
Genauso unverzichtbar ist sich ehrenamtlich zu engagieren. Und die Sorgearbeit. Kinder großziehen. Angehörige pflegen. Diese Arbeit wird noch immer überwiegend von Frauen geleistet – oft unsichtbar, oft unbezahlt und viel zu selten anerkannt. Ohne Sorgearbeit gäbe es keine Erwerbsarbeit. Wer Fürsorge gering schätzt oder weiter unter Druck setzt, gefährdet das Fundament unserer Gesellschaft.
Viele Beschäftigte haben heute das Gefühl, dass ihre Sorgen und Nöte in der Politik immer weniger zählen. Wer nicht zuhört, verliert Vertrauen. Wo Vertrauen schwindet, finden Populisten und rechte Kräfte leichter Gehör. Wer die Hoffnung verliert, überlässt anderen die Zukunft. Zuversicht wächst dort, wo Menschen füreinander einstehen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Veränderungen möglich machen.
Es ist Zeit, den Wert von Arbeit, Fürsorge, Solidarität und Demokratie höher zu achten als kurzfristige Renditen und immer neues Wachstum. Zuversicht verändert die Welt nicht von allein. Aber sie bewegt Menschen, Verantwortung zu übernehmen. Und genau das hat die Welt schon immer verändert.
Text: Renate Wapenhensch
Der Artikel erschien erstmals in der Grundstein-Ausgabe August/September 2026


