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Aktionswoche: Informationen für migrantische Baubeschäftigte

Baustellen Aktionswoche
(Foto: Arbeit und Leben) Berater*innen beim Baustellenbesuch.
13.09.2022
Internationales

(Aktualisiert am 13. September) Zusammen mit gewerkschaftsnahen Beratungsstellen haben wir eine Aktionswoche gestartet. Das Ziel: mit migrantischen Beschäftigten auf Baustellen in Kontakt zu treten und sie über ihre Arbeitsrechte in Deutschland zu informieren (Ein ausführlicher Beitrag findet sich hier).

Beteiligt waren das PECO-Institut und die Beratungsstellen Europäischer Verein für Wanderarbeiterfragen, Faire MobilitätFaire Integration sowie Arbeit und Leben. Von ihnen stammen Fotos und Berichte:

Unterwegs in Berlin

Aktionswoche
(Foto: Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg) Berater*innen im Gespräch mit den Bauarbeitern.

"Jeder von uns ist gezwungen, für sich allein zu kämpfen", sagten die polnischen Beschäftigten auf einer Baustelle in Berlin-Köpenick. Die Mehrheit von ihnen arbeitet auf dem Papier als Selbstständige, obwohl sie Stundenlöhne erhalten und Tag für Tag nach Anweisung arbeiten. Das polnische Subunternehmen und das deutsche Generalunternehmen sparen dadurch massiv an Kosten. "Trotzdem erhalten wir nur Löhne zwischen 12 und 15 Euro", so die Bauarbeiter.

(Foto: Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg) Berater*innen vom PECO-Institut und von der Fachstelle für Migration und Gute Arbeit (gehört zu Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg DGB/VHS e. V.).
(Foto: Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg) Berater*innen vom PECO-Institut und von der Fachstelle für Migration und Gute Arbeit (gehört zu Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg DGB/VHS e. V.).
Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg
(Foto: Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg) Mit dabei: Info-Material in mehreren Sprachen.

Zufriedene Beschäftigte in Oldenburg

Gut lief die Baustellen-Aktion in Oldenburg. Die Berater*innen konnten einige Beschäftigte aus Rumänien und Bulgarien antreffen, die mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden waren. Ausdrückliches Lob für den Arbeitgeber gab es von einem rumänischsprachigen Mitarbeiter, der sich wünschte, dass jeder so einen guten Arbeitgeber hätte wie er.

(Foto: Faire Mobilität)
(Foto: Faire Mobilität)
(Foto: Faire Mobilität)
(Foto: Faire Mobilität)

Fragen zu Arbeitsbescheinigungen und Krankenversicherung in Mainz

Am Montag haben Beraterinnen in Mainz Baustellen besucht und dabei 69 Bauarbeiter aus 15 Ländern angetroffen. Alle Arbeitnehmer waren freundlich und dankbar für die aufklärende Arbeit und die verteilten muttersprachlichen Informationen. Sie haben sich eingelesen und uns mitgeteilt, dass sie sich mit uns in Verbindung setzen werden, um weitere Fragen über die Arbeitsbescheinigungen in Einzelgesprächen klären zu lassen.

O-Töne:

"Wir sind sehr froh und dankbar, dass die Gewerkschaft vorbeikommt, um uns muttersprachlich zu informieren!"
"Wir haben immer Probleme bei den Arztbesuchen mit der EU-Krankenversicherungskarte gehabt. Die wurde nirgendwo akzeptiert, sodass wir immer selbst zahlen mussten. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir im Rahmen des Baustellenbesuchs durch die Beraterinnen aufgeklärt wurden, wie wir das Problem künftig lösen können."     

(Foto: Europäischer Verein für Wanderarbeiterfragen)
(Foto: Europäischer Verein für Wanderarbeiterfragen)
(Foto: Europäischer Verein für Wanderarbeiterfragen)
(Foto: Europäischer Verein für Wanderarbeiterfragen)

Unklarheiten beim Stundenlohn

Faire Integration Frankfurt
(Foto: Faire Integration)

Auf einer Baustelle in Frankfurt waren Berater*innen von IG BAU, Faire Mobilität und Faire Integration unterwegs. Bei der Aktion wurden etwa 60 Menschen erreicht und Infomaterial verteilt. Die Beschäftigten kamen überwiegend aus Rumänien, der Türkei und der Republik Moldau und sind bei verschiedenen Subunternehmen angestellt. Sie waren unterschiedlich lange auf der Baustelle beschäftigt. Türkische Arbeitnehmende wurden vor allem im Helferbereich eingesetzt. Teilweise wussten sie nicht, zu welchem Stundenlohn sie arbeiten, da sie neu waren. Es wurde von ständigen Arbeitgeberwechseln berichtet.

Faire Mobilität Frankfurt
(Foto: Faire Mobilität)
Faire Mobilität Frankfurt
(Foto: Faire Mobilität)

Gemischte Eindrücke aus dem Norden

Faire Mobilität und die Beratungsstelle Arbeitnehmerfreizügigkeit Arbeit und Leben SH haben heute mit der IG BAU aus Hamburg und Kiel zwei Baustellen besucht. Die polnischen Kollegen auf der ersten Baustelle schienen übereinstimmend sehr zufrieden zu sein und waren auch schon länger bei dem polnischen Unternehmen angestellt. Sie gaben an, 11,25 Netto zu verdienen und in geräumigen Wohnungen untergebracht zu sein. Auf der zweiten Baustelle waren mehrere Subunternehmen aktiv, unter anderen aus Portugal, aber auch aus Deutschland, einzelne Beschäftigte kamen aus der Ukraine und aus dem transnistrischen Teil der Republik Moldau. Einige von ihnen sagten, sie seien zufrieden, wirkten aber sehr vorsichtig und wollten keine Flyer in die Hand nehmen. Ein Gespräch brach ab, nachdem der Chef scharf durch die Finger pfiff. Eine Gruppe rumänischer Bauarbeiter erzählte, dass sie auf Gewerbe arbeiteten und keine Flyer für Arbeitnehmer brauchen, sie trugen alle dieselben Pullis, alle hätten ihr Gewerbe über ein Büro in derselben Stadt angemeldet und jeder schriebe monatlich eine Rechnung.

Berater im Norden
(Foto: IG BAU)
Berater im Norden
(Foto: IG BAU)

Beratung vor Ort

Gemeinsame Aktion von der Servicestelle Arbeitnehmerfreizügigkeit und IQ Faire Integration von Arbeit und Leben DGB/VHS Hamburg e.V. sowie der IG BAU. Zwei Baustellen wurden besucht und mit Bauarbeitern aus Rumänien, Polen, Slowenien, Bulgarien, Albanien und Serbien gesprochen, sowie zum Teil vor Ort beraten.

(Foto: Arbeit und Leben)
(Foto: Arbeit und Leben)
Arbeit und Leben Nord
(Foto: Arbeit und Leben)

Baustellen-Aktion in Heusenstamm

Baustellenaktion in Heusenstamm
(Foto: EVW)

Die vierte Baustellenaktion des Teams in Hessen fand am 7. September in Heusenstamm statt. Mit dabei waren die IG BAU, Faire Mobilität und der Europäische Verein für Wanderarbeiterfragen (EVW): "Wir sprachen auf der Baustelle mit etwa 20 bosnischen Bauarbeitern und informierten sie über ihre Rechte, über die Möglichkeit, sich beraten zu lassen und über die Option, IG BAU-Mitglied zu werden. Im Beisein des Poliers zeigten sich die Beschäftigten jedoch zurückhaltend.".

Zwei Aktionen in Mecklenburg-Vorpommern

Baustellenaktion Stralsund
(Foto: Faire Integration)

Zwei Baustellenaktionen des Teams in Mecklenburg-Vorpommern fanden am 8. September 2022 in Stralsund und Rostock statt. Beteiligt waren die IG BAU, Fair Integration und CORRECT!:

"In Stralsund sprachen wir mit Bauarbeitern aus Polen auf der Baustelle und informierten sie über ihre Rechte. Einer der deutschen Bauarbeiter, den wir trafen, sagte uns: 'Ein Arbeiter hier bekommt zwischen 14 und 15 Euro. Mindestlohn plus Zulage'. Die polnischen Bauarbeiter erzählten, dass sie keinen Urlaub bekommen.

In Rostock haben wir Bauarbeiter aus Ägypten und Serbien getroffen. 'Die Arbeiter bekommen zwischen 12 und 18 Euro pro Stunde, je nachdem, was für Arbeiten sie machen können oder wollen', sagte ein Bauarbeiter. Einige von ihnen kommen aus anderen Bundesländern und wurden in der Nähe der Baustelle untergebracht.
Wir haben Flyer verteilt und die Bauarbeiter über ihre Rechte informiert."

Interessierte Bauarbeiter in Ludwigshafen

„Heute (8. September) haben wir zusammen mit dem Gewerkschaftssekretär fürs Bauhauptgewerbe, Malte Pertzsch, vier Baustellen und einen Produktionsbetrieb der Baubranche in Ludwigshafen besucht und dabei 116 Arbeitnehmer*innen aus elf Nationen erreicht. Ein Betriebsratsmitglied aus der Produktionsfirma nahm an unserer Aktion vor dem Firmengelände zum Schichtwechsel um 6 Uhr morgens teil. Die Arbeitnehmer*innen waren sehr offen, teilweise gaben sie sich mit den Arbeitsbedingungen zufrieden. Ein anderer Teil gab offen zu, Probleme mit den Arbeitsbedingungen zu haben. Die Bauarbeiter nahmen unsere Flyer gerne entgegen, um sich zu informieren und waren sehr daran interessiert sich zu einem späteren Zeitpunkt von der EVW Beratungsstelle in Mainz beraten zu lassen.“ 

Zitate:                                 

"Als entsandter Arbeitnehmer bekomme ich 400 Euro als Lohn in Rumänien in Leu überwiesen, wegen meiner Rente. Den Rest bekomme ich hier in Euro bar ausbezahlt".   

Arbeitnehmer aus einem Produktionsbetrieb der Baubranche: "Es gibt viele Probleme, wir haben viele Fragen..."

Baustellenwoche Ludwigshafen
(Foto: EVW)
Baustellenwoche Ludwigshafen
(Foto: EVW)

Infos zu Lohnansprüchen für Bauarbeiter in Bremen

Baustellenaktion Bremen
(Foto: IG BAU)

Am gestrigen Vormittag haben Berater*innen von MoBA Bremen, DGB Faire Mobilität Oldenburg sowie Gewerkschaftssekretäre von der IG BAU Weser-Ems eine Informations-Aktion auf einer Großbaustelle in der Bremer Überseestadt durchgeführt. Die meisten Beschäftigten, mit denen sie gesprochen haben, kamen aus Polen und der Slowakei, vereinzelt trafen sie aber auch auf Rumänen, Portugiesen, Albaner sowie Kroaten. Überraschend war, dass eine Gruppe polnischer Installateure soloselbstständig und (selbst) entsandt war. Die Bauleiter waren zwar über den Besuch überrascht, gewährten aber Zugang zu den Beschäftigten und waren kooperativ. Die meisten wussten wenig darüber, welche Löhne ihnen zustehen und waren deshalb dankbar über die ausgehändigten Informationsmaterialien.