Ein Forstarbeiter fällt einen Baum mit einer Motorsäge
(Foto: Markus Spiske / Unsplash)
07.04.2026
Forst und Naturschutz

Die Arbeit im Wald ist mit Belastungen für die dort Beschäftigten verbunden. Die FSC-Zertifizierung (Forest Stewardship Council) trägt dazu bei, die Arbeitsbedingungen in Forstbetrieben nachhaltig zu verbessern, indem sie soziale und sicherheitsrelevante Standards setzt und ihre Einhaltung während der jährlichen Audits überprüft werden.

Die Sozialkammer stellt eine der drei FSC-Kammern. Prägendes Mitglied ist hier die IG BAU, die aktiv an der Entwicklung der sozialen Inhalte im deutschen FSC-Standard mitwirkt.

Verantwortung für alle Arbeiten im Wald

Die einzelnen Anforderungen im deutschen FSC-Standard beziehen sich auf die Forstbetriebe oder sogenannten forstliche Betriebsarbeiten. Dadurch wird gewährleistet, dass der zertifizierte Forstbetrieb bei sämtlichen im Wald durchgeführten Arbeiten für die Einhaltung der geforderten Standards sorgen muss – unabhängig davon, ob diese von eigenem Personal oder (Sub)Unternehmen ausgeführt werden.

FSC-Logo
(Grafik: FSC Deutschland)

Eine Analyse der sogenannten Korrekturmaßnahmen, die von FSC-Auditoren auf der Fläche formuliert werden, zeigt im Prüfraum 2019 bis 2023, dass die meisten Abweichungen in der Kategorie Arbeitssicherheit erfolgten. Am häufigsten kam es zu Verstößen gegen den Indikator 2.3.1, der Forstbetriebe dazu verpflichtet, Arbeitsaufträge schriftlich zu dokumentieren, Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen und die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften (UVV) sicherzustellen. Hier handelt es sich im Wesentlichen um gesetzlich verankerte Anforderungen, die von manchen Forstbetrieben ohne Zertifizierung und regelmäßige Überprüfung vernachlässigt werden.

Arbeitssicherheit und Qualifikation im Fokus

Im FSC-zertifizierten Wald müssen "gefährliche Arbeiten im Wald" nach DGUV Regel 114-018 "Waldarbeiten" durchgeführt werden – dies gilt auch für private Selbstwerber und Waldbesitzende (Indikator 2.5.4). Demnach dürfen gefährliche Waldarbeiten, wie das Arbeiten mit der Motorsäge, nicht in Alleinarbeit ausgeführt werden. Im Rahmen der Brennholzaufarbeitung durch private Selbstwerbende kommt dies durchaus vor und ist auch gesetzeskonform.

Gewerbliche Arbeiten mit der Motorsäge dürfen nur von Personen durchgeführt werden, die eine Ausbildung zum Forstwirt/zur Forstwirtin haben oder wenigstens ein ECC-Zertifikat Level 3 oder eine gleichwertige inländische Prüfung, verbunden mit einer mindestens dreijährigen Berufserfahrung in der motormanuellen Holzernte, nachweisen können (Indikator 2.5.1). Laut einer Umfrage unter FSC-Förster*innen hat eine FSC-Zertifizierung in fast der Hälfte der befragten Betriebe dazu geführt, dass vermehrt ECC-Motorsägen-Prüfungen absolviert wurden. Dies führt zu verbesserter Arbeitsqualität und -sicherheit.

Positive Effekte auf Sicherheit, Entlohnung und Arbeitsbedingungen

Ergebnisse derselben Umfrage zeigen, dass die Zahl der Arbeitsunfälle in über 90 Prozent der Forstbetriebe nach der FSC-Zertifizierung deutlich gesunken ist. Am Beispiel des Landesforstbetriebs ForstBW konnten die Unfallzahlen ausgewertet werden: Seit der Erstzertifizierung ist eine Abnahme erkennbar.

FSC sorgt dafür, dass alle im Wald Beschäftigten fair entlohnt werden. Zudem darf für Beschäftigte, die sich Gewerkschaften und vergleichbaren Organisationen anschließen, kein Nachteil entstehen (Indikatoren 2.1.2 und 2.1.3).

Der deutsche FSC-Standard begrenzt die Befahrung auf 13,5 Prozent der bewirtschafteten Holzbodenfläche (Indikator 10.10.7). Der Gassenabstand bei Neuanlage darf nicht geringer als 20 Meter sein. Dabei haben die Betriebe die Flexibilität, den Abstand der Rückegassen entsprechend den prozentualen Vorgaben individuell für ihren Betrieb festzulegen und auf Aspekte der Arbeitssicherheit, des Bodenschutzes und der Wirtschaftlichkeit einzugehen.

Gerade bei sozialen Fragestellungen sind die im Rahmen der jährlichen FSC-Audits geführten vertraulichen Einzelgespräche zwischen Auditoren und Beschäftigten von großer Bedeutung. Die Themen Arbeitssicherheit, faire Löhne, Gleichstellung und Antidiskriminierung werden oft nur in einem solchen Rahmen angesprochen.


Text: Elmar Seizinger, FSC Deutschland; Leiter Wald und Mitglied der Geschäftsleitung
Dieser Artikel erscheint auch in den Forstlichen Mitteilungen, Ausgabe April/Mai 2026.


Der Flyer "FSC-Zertifizierung in Deutschland“ als PDF zum Herunterladen: Flyer_FSC_Zertifizierung_2025.pdf