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Kommentar der Junge BAU zum offenen Brief von Fridays for Future

Kürbis Kind
(Jill Wellington / Pixabay)
01.12.2020
Junge BAU Aktuell

Eine Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die klimagerecht ist, Umwelt und Biodiversität schützt sowie Landwirt*innen fair entlohnt, fordert Fridays for Future in einem offenen Brief an Ursula von der Leyen, Frans Timmermans, Janusz Wojciechowski und Stella Kyriakides. Kolleg*innen der Junge BAU haben ein paar Anmerkungen:

Aktuell fokussieren die EU-Agrar-Förderprogramme und alle geplanten Veränderungen der GAP (Gemeinsamen Agrarpolitik) nur die Unterstützung von Landwirt*innen und deren Betriebe. Fakt ist jedoch, dass die Anzahl der von Familien geführten Unternehmen immer weiter zurückgeht.

Stand heute ist, dass mindestens die Hälfte aller Betriebe auf Angestellte (aus nicht-familiären Kreisen) zurückgreifen. Von diesen in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer*innen sind mindestens 50 Prozent (etwa 665 000) nur abhängig Beschäftigte.

(Stand 2017; Tendenz steigend) Die Arbeitnehmer*innen teilen sich in 60 Prozent Saisonbeschäftigte und 40 Prozent dauerhaft Beschäftigte auf.

Fridays for Future (FFF) fordert, dass Landwirt*innen einen fairen Lohn für ihre gesellschaftliche Leistung bekommen.  Mit der prekären Situation der Angestellten befassen sie sich allerdings nicht.

Der durchschnittliche tarifliche Ecklohn in der Landwirtschaft beträgt etwa 13 Euro pro Stunde; in Realität bekommt allerdings nahezu niemand Tariflohn. Wanderarbeiter*innen müssten Mindestlohn bekommen, dies ist leider oft nicht der Fall. Das bedeutet auch: Nur circa ein Viertel der Vollbeschäftigten erreicht mit dem erzielten Brutto eine Rente, die dem Grundsicherungsniveau entspricht.

Fast drei Viertel der Landarbeiter*innen sind somit von Altersarmut bedroht.

Das steht in Widerspruch zu den erklärten Zielen der GAP.

Wir als Junge BAU fordern:

  • Subventionen müssen an die Förderung von Guter Arbeit gekoppelt werden. Deshalb soll als erster Schritt der Arbeits- und Gesundheitsschutz in die Cross Compliance aufgenommen werden.
  • Gelder der zweiten Säule sollen in Beteiligungsstrukturen und Bildung im ländlichen Raum fließen. Dabei geht es zum einen um die Stärkung der LEADER-Gruppen und zum anderen um Bildung für Arbeitnehmer*innen als integralen Bestandteil der ländlichen Entwicklungsprogramme.
  • Saisonbeschäftigte tragen in der gesamten EU zur Aufrechterhaltung der Landwirtschaft bei. Es müssen Regelungen gefunden werden, wie ihre soziale Integration ins gesellschaftliche Leben und die Teilhabe an den Sozialsystemen sichergestellt werden kann.
  • Vonseiten der EU muss eine Arbeitnehmer*innenberatung für Wanderarbeiter*innen installiert werden! Sie ist ein erster wichtiger Schritt, um überhaupt zu erfahren, welche Rechte Wanderarbeiter*innen in dem Land haben, in dem sie beschäftigt sind.

Diese Punkte schließen das Thema nicht ab, sondern erweitern die Vielfalt des öffentlichen Briefes von FFF, um unsere Themengebiete der sozialen Nachhaltigkeit.