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Politischer Aschermittwoch: Leistung, Leistung, Leistung – oder: Wenn die Platte hängen bleibt!
Ein Ministerpräsident aus Süddeutschland hat beim politischen Aschermittwoch wieder einmal die alte Platte aufgelegt: Leistung muss sich wieder lohnen! Dann kamen die vertrauten Variationen: Leistung, Leistung, Leistung! Und, weil’s offenbar noch nicht genug Pathos war, folgte die Textzeile aus dem Grundschulrepertoire: Ohne Fleiß kein Preis! Garniert mit der Forderung, die Landeskinder sollten wieder die Nationalhymne in der Schule singen.
Man könnte meinen, der Ministerpräsident hätte eine Zeitreise in die 1980er gemacht, als Schlagworte wie "Leistungsgesellschaft" noch neuen Glanz versprühten. Doch im Jahr 2026 klingt das eher nach nostalgischem Einmaleins aus dem Rhetorikkoffer: laut, plakativ, aber erstaunlich leer. Denn wer heute von "Leistung" redet, sollte auch sagen, welche er meint – und wer sie trägt. Pflegekräfte, Erzieher*innen, Paketfahrer*innen, Verwaltungsangestellte, Forstwirte, Förster*innen? Viele schuften längst am Limit, sehen aber vom "Lohn der Leistung" nur steigende Mieten, höhere Krankenkassenbeiträge und stagnierende Reallöhne oder bekommen zum Dank eine verhandelte Tariferhöhung eben mal ein halbes Jahr später.
Das Mantra des Ministerpräsidenten wirkt da wie ein Echo aus einer anderen Wirklichkeit: "Ohne Fleiß kein Preis"? Schön gesagt – aber viele schuften fleißig Tag für Tag und zahlen trotzdem drauf. Vielleicht wäre es zeitgemäßer zu sagen: "Ohne faire Rahmenbedingungen kein Fortschritt". Dass Kinder wieder die Nationalhymne singen sollen, passt ins gleiche Muster: Symbol statt Substanz, Identität statt Idee. Wer Bildungspolitik auf das Singen reduziert, verrät, wie dünn die Decke über echten Konzepten manchmal ist.
Dieser Aschermittwoch war also kein politisches Feuerwerk, sondern eher ein Rückgriff auf vertraute Formeln, die sich gut zitieren, aber schwer mit Realität füllen lassen. Vielleicht sollte man ergänzen: "Ohne neue Gedanken kein Gewinn".
Leistung, Leistung, Leistung – des Ministerpräsidenten Aschermittwochs-Parolen prallen frontal auf die Realität des öffentlichen Dienstes und vieler anderer Beschäftigter, in dem längst Millionen Überstunden, Personalmangel und hohe Wochenarbeitszeiten den Alltag bestimmen. Wer hier ständig "Fleiß" beschwört, drückt sich um die Frage, warum dieser Fleiß so schlecht politisch abgesichert und vergütet ist.
Jetzt die Preisfrage:
Welcher Ministerpräsident war es wohl, der mich am politischen Aschermittwoch so verärgert hat, dass ich diese Zeilen unbedingt schreiben wollte?
Text: Peter Wiese, Bundesfachgruppenvorsitzender Forstwirtschaft
Dieser Artikel erscheint auch in den Forstlichen Mitteilungen, Ausgabe April/Mai 2026.


