Ein Dach, das gedeckt wird
(Foto: macayran / Pixabay)
17.09.2026
Arbeit

Handwerksberufe würdigen und sie für junge Menschen interessant machen: das sind Ziele des "Tag des Handwerks", der jährlich am dritten Samstag im September stattfindet. So auch am 19. September 2026.

Mehr Ausbildungsverträge und trotzdem Fachkräftemangel

Rund 3,4 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland derzeit in Handwerksberufen. Damit bleibt das Handwerk für den hiesigen Arbeitsmarkt zentral. Gleichzeitig herrscht weiterhin Fachkräftemangel. Viele, die jetzt noch berufstätig sind, gehen in absehbarer Zeit in Rente: 718.000 Arbeitnehmer*innen sind zwischen 55 und 65 Jahre alt. Obwohl der Anteil junger Beschäftigter mit 17 Prozent überdurchschnittlich hoch ist (gegenüber neun Prozent im gesamten Arbeitsmarkt) und die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge steigt, kann der Nachwuchs die altersbedingten Abgänge nicht ausgleichen.

Zwar werden aufgrund der Wirtschaftslage weniger Stellen ausgeschrieben, ihre Besetzung dauert aber immer länger. Um den Fachkräftebedarf zu decken, ist Deutschland verstärkt auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. 576.000 Ausländer*innen arbeiteten im vergangenen Jahr sozialversicherungspflichtig in Handwerksberufen – 296.000 von ihnen kommen aus Drittstaaten wie der Ukraine.

Was zieht den Nachwuchs an – und was hält ihn ab?

Schon Anfang des Jahres sind wir für einen Grundstein-Artikel der Frage nachgegangen, warum sich junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden – und was sie bremst. Die Antwort war komplex:

"Die Abwertung des Handwerks über Jahrzehnte hinweg, befeuert durch Bildungsdebatten, Lohnstrukturen und die Überbewertung akademischer Laufbahnen, hat Spuren hinterlassen. Die Jugendlichen, die heute vor der Ausbildungswahl stehen, sind nicht weniger interessiert oder weniger begabt. Ihnen fehlt schlicht oft die Möglichkeit, Handwerk als ernstzunehmende berufliche Option kennenzulernen."
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Wegen der fortschreitenden Überalterung unserer Gesellschaft lässt sich der Fachkräftemangel vermutlich nicht vollständig beheben. Es gibt jedoch einige Verbesserungsmöglichkeiten, um Beschäftigte in der Branche zu halten und Nachwuchs zu gewinnen. Zentral sind faire Einkommen und gute Arbeitsbedingungen – mehr Tarifbindung wäre ein Weg dorthin.

Ausbildung mit Herz und Verstand kann verhindern, dass Azubis die Motivation verlieren. Studien zeigen, dass die "Gen Z" nicht faul oder überempfindlich ist. Sie möchte Sinn erfahren, gesehen werden und Vorschläge machen dürfen, sie erwartet nachvollziehbare Strukturen und Verlässlichkeit.

Als IG BAU setzen wir uns für umfassende Tarifbindung ein, verhandeln faire Ausbildungsvergütungen und unterstützen Mitbestimmung in den Betrieben. Das alles sind wirksame Hebel gegen den Fachkräftemangel. Nur wer von seinem Einkommen leben kann und in seinem Beruf eine Zukunft sieht, bleibt im Handwerk.