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Zum Tag der Deutschen Einheit: Heraus aus der Ost-West-Lohnlücke!

Brandenburger Tor
(Foto: feinschliff / Unsplash)
01.10.2026
Arbeit

Zum 36. Mal feiert Deutschland am 3. Oktober 2026 seine Einheit. Beim Einkommen ist sie noch nicht angekommen. Dass es anders geht, zeigen einige Branchen der IG BAU: Dort sorgen Tarifverträge für einheitliche Löhne im ganzen Land.

Fast zweieinhalb Monate unbezahlt

Wer in Ostdeutschland Vollzeit arbeitet, hat im Jahr durchschnittlich 12.415 Euro brutto weniger auf dem Konto als vergleichbare Beschäftigte im Westen, Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld eingerechnet. Das entspricht 19,6 Prozent. Umgerechnet arbeiten Ostdeutsche somit fast 72 Tage pro Jahr gewissermaßen umsonst. 2024 betrug die Lücke noch 20,9 Prozent, es geht also voran. Von gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit ist das aber nach wie vor weit entfernt.

Ein Land – ein Lohn: Tarifverträge wirken

Wo Gewerkschaften und Arbeitgeber Löhne verbindlich vereinbaren, verschwinden die ungerechten Unterschiede. In der Gebäudereinigung gelten seit Dezember 2020 bundesweit einheitliche Löhne. Im Bauhauptgewerbe wurde die Angleichung nach einer langen Auseinandersetzung in diesem Jahr ebenfalls endlich erreicht. Wo ein Tarifvertrag fehlt, bleibt dagegen oft nur der gesetzliche Mindestlohn, wie etwa bei den Floristinnen und Floristen im Osten der Republik.

Tarifbindung zahlt sich aus

Tarifgebundene Betriebe zahlen im Osten im Schnitt 13.295 Euro mehr pro Jahr als Betriebe ohne Tarifvertrag, im Westen sind es 11.542 Euro. Doch nur 45 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten arbeiten unter Tarifbedingungen, im Westen 50 Prozent. Die anhaltende Ungleichheit ist mehr als eine Statistik: Sie kann das Gefühl verstärken, wirtschaftlich abgehängt zu sein.

Jetzt muss die Politik nachlegen

Mit dem Bundestariftreuegesetz, das für die Vergabe öffentlicher Aufträge des Bundes an Unternehmen deren Tariftreue verpflichtend voraussetzt, und der vollen steuerlichen Absetzbarkeit von Gewerkschaftsbeiträgen sind erste Schritte getan. Nötig ist aber eine echte Tarifwende, die Tarifbindung wieder zur Regel macht. Dafür sind unter anderem nötig:

  • ein digitales Zugangsrecht für Gewerkschaften in den Betrieben,
  • mehr Transparenz über sogenannte Ohne-Tarif-Mitgliedschaften in Arbeitgeberverbänden,
  • eine leichtere Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen für ganze Branchen,
  • besserer Schutz vor gewerkschaftsfeindlichem Verhalten.

Auch Beschäftigte selbst können etwas bewegen: Je mehr Kolleginnen und Kollegen sich in einer Gewerkschaft organisieren, desto stärker ist der Druck für Tarifverträge.

36 Jahre nach 1990 muss die deutsche Einheit endlich überall auch auf dem Lohnzettel ankommen. Das gelingt nur mit mehr Tarifbindung.